Das geschäftige Treiben auf einem großen Verkehrsflughafen fasziniert jeden, ob Fluggast oder Zuschauer auf der Aussichtsterrasse. Dabei liegt das scheinbar chaotische Treiben auf dem Vorfeld direkt im Blickfeld des Zuschauers. Natürlich ist es nicht chaotisch, alles rund um den Flugbetrieb ist wohl geordnet und gut organisiert. Neben den Ausführenden (hauptsächlich natürlich den Piloten) sind es aber die Fluglotsen im Tower und den Air Traffic Control – Centern, die die Luftfahrt organisieren. Die Begeisterung für die Berufe in der Luftfahrt ist unverändert hoch, was liegt also näher, als auch die Welt der Fluglotsen zu simulieren.
Wilco/FeelThere haben die Herausforderung angenommen und mit Tower Simulator eine ATC-Simulation auf den Markt gebracht. Es gibt wie üblich zwei Möglichkeiten: Das Herunterladen des Spiels oder die Anschaffung der „Boxed Version“. Entschließt man sich zum Herunterladen des Produktes, müssen ca. 300 MB transferiert und 46,95 € bezahlt werden. Für die Boxed Version sind 49,95 € fällig. Die Tower Simulation unterstützt Matrox TripleHead2Go, Voice Buddy und Track IR v4. Wilco offeriert zusätzlich entsprechende Pakete mit diesen Programmen und bietet ebenso die Möglichkeit, die Programme extra zu erwerben.
Für dieses Review wurde nur die Tower Simulation ohne zusätzliche Programme getestet.
Nach dem Herunterladen findet sich ein Installer auf der Festplatte und schon nach kurzer Zeit lässt sich das Spiel aufrufen. Auf dem ersten Screen lässt sich nun die Auswahl des Flughafens treffen, auf dem man im Tower sitzen möchte. Entscheiden muss man sich zwischen Princess Juliana, St. Maarten (TNCM), John Wayne Airport, Orange County, CA, USA (KSNA), Chicago O’Hare, IL, USA (KORD), Charles de Gaulle, Paris (LFPG) und Franz-Josef-Strauß, München (EDDM). Die Simulation beschränkt sich, wie der Name schon sagt, auf den Tower. An- und Abflug werden durch den Computer erzeugt und lassen sich nur sehr bedingt beeinflussen.
Hat man sich entschieden, muss man noch die aktuelle(n) Runway(s) sowie Tageszeit und Wetter festlegen und dann kann es losgehen. Geht man allerdings so vor, wird man schnell feststellen, dass man in das Geschehen nicht wirklich eingreifen kann, denn es fehlen die Grundlagen der Kommunikation mit den Flugzeugen: die Befehle. Diese Befehle müssen akkurat eingegeben werden, sonst passiert auf dem Vorfeld und in der Luft gar nichts, man erhält nur den Hinweis „Syntax Error“.
Um jeglichen Frust beim ersten Versuch zu vermeiden, hat Wilco zum Glück ein umfangreiches Handbuch als *pdf-Dokument (in Englisch!) beigefügt, um dessen Studium man nicht herumkommt, wenn man wirklich Spaß an der Simulation haben will. Sehr gut und anschaulich werden alle Möglichkeiten (und Grenzen) des Spiels erläutert. Anhand von Beispielen sowie einer ausführlichen Betrachtung der Theorie des Lotsens wird dem Nutzer erklärt, wie er am besten vorgehen sollte. Natürlich werden auch alle Einstellungs-Möglichkeiten vorgestellt und nachdem nun „alles klar“ ist, rufen wir das Spiel erneut auf.
Es ist anzuraten, der Empfehlung des Handbuchs zu folgen, und zunächst in St. Maarten um 13:00 Uhr zu beginnen. Vorher sollte man aber noch einen Blick auf die vielen anderen Einstellungsmöglichkeiten zu werfen. Neben Tageszeit und Wetter können (und sollten) die uns schon aus dem FS 2004 und FSX bekannten Einstellungen zugunsten der Framerate vorgenommen werden. So können auf schwächeren Systemen Performance-Hemmer wie Ground Vehicles, 3D-Bäume etc. abgestellt werden, um sich auf die Simulation selbst konzentrieren zu können. Es kann hier nicht jede Einstellung vorgestellt werden, aber man sollte sich die Zeit dafür nehmen, es zahlt sich aus! Unverzichtbar ist es, sich die zulässigen Befehle mit der richtig Syntax und den Tastatur-Shortcuts auszudrucken!
Ein netter Effekt am Rande: Man kann sich eine Karriere aufbauen, einen Kontroller benennen und seine Leistungen oder Fehler ebenso nachlesen wie sein Gehalt.
Nun zurück nach St. Maarten. Nach dem Ladevorgang sieht man auf das Vorfeld des Flughafens und das Meer, hört Möwen kreischen und irgendwo läuft ein Triebwerk. Zudem findet man zwei „Radarschirme“ auf denen jeweils der Betrieb am Boden und in der Luft dargestellt wird. Daneben die Liste der „Strips“. Auf diesen Steifen werden die relevanten Informationen für die Flugzeuge am Boden und in der Luft dargestellt. Man sieht z.B. die Rufzeichen, Abflug- und Ankunftsflugplatz, zu welcher Runway der Flieger soll und einiges mehr. Als Kommunikationsmittel steht ein Fenster für die Eingabe der Befehle zur Verfügung. Die Flugzeuge melden sich über Sprache (mit verschiedenen Akzenten!), man kann aber die Meldungen in dem Fenster auch lesen. Alle Fenster lassen sich frei bewegen und in der Größe verstellen. Die rollenden, landenden und startenden Flugzeuge sowie die Boden-Fahrzeuge sieht man natürlich auch „aus dem Fenster“, wobei auch ein Fernglas zur Verfügung steht. Ebenso kann man die Blickrichtung ändern.
Nachdem man etwas Zeit hatte sich umzusehen, fängt der Flugbetrieb an. Der erste Flieger bittet um Rollfreigabe und setzt sich nach der Erlaubnis in Bewegung zur aktiven Startbahn. Dort angekommen bittet er um Starterlaubnis und schon ist er in der Luft und wird zur Abflug-Kontrolle verabschiedet. Es folgt der Nächste am Boden und auch in der Luft erscheint eine Maschine, die landen möchte. In St. Maarten zur Mittagszeit geht es gemütlich zu, man kann sich an die neue Aufgabe ganz gut gewöhnen. Wenn man sich auskennt, kann man „umziehen“ und die nächsten Herausforderungen annehmen, z.B. in München zur Mittagszeit (die meisten Screenshots mit den Radar-Schirmen etc. sind hier gemacht worden). Jetzt braucht man Übersicht und die ausgedruckten Airport-Charts, damit man die vielen Maschinen ohne Probleme über die zahlreichen Taxiways zur richtigen Landebahn bzw. an ein Gate lotsen kann. Und jetzt kann es ganz schön hektisch werden, es gibt viel zu tun, die Kommandos kennt man noch nicht auswendig und auch die jeweils beste Route auf den Taxiways ist noch nicht bekannt, ein Flieger ist kurz vor der Landung, aber die Bahn ist noch nicht frei… Der Spielspaß ist garantiert und wer dann alles beherrscht kann immer noch das Wetter verschlechtern oder zur Rush-Hour nach Chicago wechseln.